BLOGMax Frankl

Standards mit der Pentatonik spielen

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Standards mit der Pentatonik spielen

Jazzimprovisation auf der Gitarre:

Über Akkord A benutzt man super-lokrisch, Akkord B wird mit der alterierten Tonleiter ausgeschmĂŒckt, Akkord C dann mit einer hexatonischen Skala bedient, die man rĂŒckwĂ€rts und in Terzen spielt. Jetzt muss man alle Noten nur noch so verbinden, dass man nicht dauernd vom zweiten in den zehnten Bund springen muss. Wer hier noch nicht aufgegeben hat, darf jetzt versuchen, aus dieser Ansammlung von Tönen Melodien fĂŒr seine Improvisation zu basteln, die natĂŒrlich vollkommen inspiriert und logisch klingen sollen. Vielleicht wĂ€re es doch einfacher gewesen, Quanten-Physik zu studieren, fragt sich dann der interessierte Jazz-Gitarrist.

Hier kommt die Hilfe: Wie du ganz einfach mit deiner geliebten Pentatonik ĂŒber Dm7 | G7 | Cmaj7 spielen kannst, lernst du in diesem Artikel. Unter diesem Artikel kannst du dir ein PDF mit allen FingersĂ€tzen/TABS, sowie die dazugehörigen Jam-Tracks herunterladen.

Zugegeben: Es gibt im Jazzbereich viele Sounds und KlĂ€nge, die man mit der entsprechenden Tonleiter wunderbar ausdrĂŒcken kann. Nicht jeder Mensch hat aber wissenschaftlichen Ehrgeiz, geschweige denn die Zeit, Stunden vor Akkord/Skalentheorie zu sitzen, um dann festzustellen, dass einen der Fingersatz von Halbton/Ganzton zum Verzweifeln bringt.

Hier kommt der Pentatonik-Shortcut

Wir brauchen also gerade zu Beginn oder mit fortgeschrittenem Niveau Taktiken, die wir sofort anwenden können, damit wir in der nĂ€chsten Bandprobe bei der Solo-Runde nicht abermals passen mĂŒssen.

FĂŒr die Improvisation auf der Gitarre gibt es ein Heilmittel, einen Zaubertrank, der einem in einer der ersten Gitarrenstunden eingeflösst wird. Er hat ZauberkrĂ€fte und macht aus jedem Pfadfinder den Chuck Berry seiner Generation; sehr schön ĂŒbrigens in „ZurĂŒck in die Zukunft“ mit Michael J. Fox zu sehen. Wer diese Szene noch nicht kennt, schaut sie sich direkt jetzt an. Und? Erkannt? Es ist natĂŒrlich die Moll-Pentatonik, die alle Gitarristen lieben und die Marty McFly hier benutzt. Keine wilden Überstreckungen wie in Phrygisch-13, keine drei Töne pro Saite. Einfach nur fĂŒnf Töne Freiheit, bei Bedarf noch mit einer Blue Note angereichert. So klingt Abenteuer und ein bisschen Blues ist auch dabei. Pentatonik eben.

 

Wir sind motiviert und begeistert, ja, mit der Pentatonik sind wir auf der Gitarre unbesiegbar. Das ist tatsĂ€chlich so, allerdings nur bis zur ersten Probe mit unserer Jazzband. „Kann man ĂŒber diese Akkorde mit einer Tonleiter improvisieren?“, lautet die hĂ€ufigste Frage. Die Antwort: „Nein, da musst du schon durchwechseln, aber wenn du dich mit der Dur-Skala auskennst, klappt das gut“. Hm. Dur? Die kennen wir vom Hören, aber nicht aktiv auf dem Griffbrett. Schlecht!

Avoid Notes endlich verstehen

Bevor ich zum Kern der Sache komme, mĂŒssen wir uns anschauen, welche Akkordverbindungen in Jazzstandards hĂ€ufig vorkommen. Nach einer kurzen Suche stossen wir immer wieder auf II-V-I Verbindungen. In C-Dur kommt diese Verbindung als Dm7 | G7 | Cmaj7 vor. Eine Akkordfolge, die sicher jeder schon einmal in freier Wildbahn bemerkt hat. Da wir mit dieser Akkordfolge die Stufenakkorde II, V und I in C-Dur vor uns haben, können wir wunderbar mit der Durtonleiter darĂŒber improvisieren.

Das klappt sehr gut, ausser dass wir bei G7 aufpassen mĂŒssen, wenn wir ein C einsetzen. Man kann das nun sehr kurz oder sehr lang erklĂ€ren und viele haben sicher schon einmal mehr oder weniger sinnvolle ErlĂ€uterungen zum Thema Avoid Note gelesen. Kurz gesagt verschleiert der Ton C ĂŒber dem G7 die Wirkung dieses Akkords. Warum? Weil H als grosse Terz in G7 sehr wichtig ist. Das C nimmt dem H die Kraft und vermindert die Auflösungstendenz des G7. Das wollen wir nicht. NatĂŒrlich gibt es aber auch FĂ€lle, wo genau dieses C sehr gut klingt. Es mĂŒssen also die Ohren entscheiden, ob man der Dominante ein bisschen die Wirkung nimmt oder ob man grade einen echt hippen Sound erfunden hat. Genauso verhĂ€lt es sich mit F ĂŒber den Cmja7-Akkord, wobei ich hier sagen wĂŒrde, dass dieser Ton sich wirklich nur als Vorhalt zum E oder G eignet und das lĂ€ngere Aushalten ĂŒber dem Cmaj7 fast ausschliesslich fĂŒr Irritationen sorgen wird.

FĂŒr diese C-Dur-Tonleiter brauchen wir natĂŒrlich einen tollen Fingersatz. Hier kommt er:

 
C Dur-Tonleiter

C Dur-Tonleiter

 

Mit dieser Skala kommen wir ganz gut durch und können auch spannend ĂŒber II-V-I Verbindungen solieren. Was ist jetzt aber mit unserem alten Freund, dem Rock n’ Roll erzeugenden Allzweckmittel, das uns den Blues bringt? MĂŒssen wir die Pentatonik im Jazz entsorgen? Nein, ganz im Gegenteil. Wir können die Pentatonik benutzen, um ĂŒber die II-V-I Verbindung richtig gut zu klingen. Und das geht so:

Alles, was wir brauchen, ist unsere gewohnte Pentatonik aus der V.Lage und ihren grossen Bruder aus der XII.Lage, beide in A Moll. Der Trick ist, dass wir bestimmte Pentatoniken ĂŒber unsere Akkorde spielen, die ihnen ein sehr eigenen und spannenden Sound geben. Das klingt dann so:

Klingt doch recht hip, oder? Ich habe nur die angegebenen Pentatoniken verwendet und bei den letzten beiden DurchgĂ€ngen die Töne chromatisch verbunden, was ich dir auch empfehlen wĂŒrde, sobald du die Skalen sicher ĂŒber die einzelnen Akkorde spielen kannst.

Diese Pentatonik fĂŒr II-V-I benutzen

Wir spielen die Moll-Pentatonik in A ĂŒber den Dm7-Akkord. Das gibt dem Akkord eine schöne FĂ€rbung: Aus Dm7 wird Dm9/11. Wir spielen die Bb-Moll-Pentatonik ĂŒber G7. Das lĂ€sst ihn wie einen G7(#9,#11,b13) klingen. Wir verwenden schliesslich die E-Moll Pentatonik ĂŒber den Cmaj7-Akkord und erhalten einen Cmaj7(9,13).

Durch die chromatische Verbindung der ersten beiden Tonleitern können wir ganz einfach melodische Ideen finden; dadurch, dass die E-Moll-Pentatonik so nahe an den beiden ersten liegt, haben wir vielfÀltige melodische Möglichkeiten, ohne dass wir uns die Finge brechen oder keine richtige Melodie hinbekommen.

Jetzt bist du dran

Jetzt musst du nur deine eigenen melodischen Wege durch diese Akkordfolge finden. Das geht, in dem du möglichst tĂ€glich mit den angesprochenen FingersĂ€tzen und Tonleitern ĂŒber die Akkorde improvisierst. Ich habe dir ein PDF zusammengestellt, auf dem du die jeweiligen Skalen mit FingersĂ€tzen und TABs notiert siehst.

Versuche in einem nÀchsten Schritt, nicht jede Skala auf dem Grundton zu beginnen. Es ist sehr wichtig, dass du dein Solo auf allen möglichen Tönen beginnen kannst, weil du sonst Gefahr lÀufst, dass beispielsweise die Pentatonik sehr eintönig klingt. Ach so, noch etwas: Oft verstehen Gitarristen den Unterschied zwischen der Dur-Pentatonik und seiner Schwesterin Moll nicht. Es ist ganz einfach: Beide Scales enthalten die gleichen Noten, beginnen aber auch einem anderen Grundton. Ganz einfach.

PDF & Play-Along? Hier: 

Ich habe ein Play-Along erstellt, dass dir die II-V-I Verbindungen in drei verschiedenen Tempi bietet; so kannst du alles ganz einfach lernen. Wenn du dann noch wie ich die Töne chromatisch verbindest (und hier gilt wie immer: was gut klingt, ist gut), steht deiner Karriere als erfahrener II-V-I Verbinder und Experte fĂŒr Dur nichts mehr im Wege. Viel Erfolg! ZusĂ€tzlich dazu bekommst du auch meinen Newsletter, der die jeden Monat meine besten Tipps, exklusive Give-Aways und andere kostenlose Tricks direkt in die Inbox schickt.